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Hallo meine lieben Mitleser, es freut mich sehr, dass ihr auf meine Blogger-Seite gefunden habt und ich hoffe, es gefaellt euch hier. Dieser Blog dient dazu, meine Gedanken mit euch zu teilen ♥

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Depression und was es aus mir macht

So langsam bekomme ich immer mehr ein Gefühl, was Depressionen aus Einen machen können. Sicher, Symptome sind mir schon Jahre bekannt. Seit meiner frühesten Jugendzeit schon. Aber seit dem ich arbeitslos bin, merke ich mehr denn je, wie furchtbar diese Krankheit ist und wie sehr sie Einem das Gefühl weg vom Leben nimmt.

Als ich einige Tage lang mein altes Tagebuch in mein Neues übernommen habe, da das Alte kaputt und halt nur ein Diddle-Tagebuch war, wurde mir erst richtig bewusst, seit wann meine Krankheit mein Leben bestimmt.

Mein erster Eintrag war am 22.12.1998. Damals war ich gerade erst 12 Jahre alt gewesen. Allein im ersten Eintrag, in der es überwiegend nur um ein Erlebnis von einem Tag ging, merkt man anhand von einem simplen Nebensatz, dass ich nicht "normal" war und anders tickte als andere Kinder in diesem Alter.
Dieser eine Nebensatz, der erst so oberflächlich wirkt, zeigte mir "Hey... Du hast Depressionen!" Mit 12 Jahren schon! Seit 20 Jahren schon! Vielleicht sogar schon länger...

Ich habe diesen Eintrag - und auch ein paar Andere - meiner psychologischen Beraterin gegeben und sie es einfach lesen lassen, um zu erfahren, was ihre Meinung war. Und sie gab mir Recht. Ich zeigte schon als Kind Anzeichen von dieser einen Krankheit, die mich selbst heute noch beschäftigt und im festen Griff behält.

So etwas zu lesen und dann zu erfahren, dass man mich schon von Kindesbeinen an hätte psychologisch betreuen sollen, hatte mich tief getroffen. Ich wusste zwar immer, mit mir stimmte etwas nicht und ich brauchte Hilfe. Aber wie ernst es war, erfuhr ich erst durch mein eigenes Tagebuch.

Auch wenn ich gute Momente habe und lachen kann. Die meiste Zeit fühle ich mich... Ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll.... Fehl am Platz? Stumpf? Falsch? Als würde ich neben mir stehen?

Heute fallen mir alltägliche Dinge immer schwerer. Etwas, woran ich wirklich zu knabbern habe. Früher hat mich meine Familie immer für faul erklärt. Etwas, was wohl die allgemeine Gesellschaft immer sagt. Etwas, was ich Jahrelang geglaubt habe und auch noch immer von überzeugt bin.

Einkaufen, Haushalt machen, Katzenklo reinigen, eigene Körperpflege, meine Lernmodule für das Arbeitsamt erledigen, Termine ausmachen und wahrnehmen....
All diese Kleinigkeiten fallen mir so unendlich schwer. Selbst aus dem Bett zu kommen fällt mir so unglaublich schwer. Meine sozialen Kontakte beschränken sich nur noch auf das Internet. Mit meiner Familie rede ich fast gar nicht mehr, außer ich habe Neuigkeiten bezüglich Reha oder Arbeitsamt. Dann schreibe ich meiner Mutter nur eine kurze Nachricht. Mehr nicht. Ich nehme keine Anrufe entgegen, geschweige denn, dass ich welche noch groß tätige.

Jeden Tag nehme ich mir vor, das alles zu ändern. Mich zu bessern. Meinen Hintern hoch zu bekommen. Irgendwas zu erledigen. Ein Buch lesen oder hier einen Eintrag im Blog zu schreiben.
Stattdessen liege ich meistens vor mich her, starre irgendwohin, bin so unsagbar müde, fühle mich träge und denke mir "Wozu? Was bringt das alles?"
Mache nichts. Es ist für mich jedes Mal ein Wunder, dass ich mich in der letzten Sekunde zu etwas aufraffen kann und etwas erledige.

Meine psychologische Betreuerin ermuntert mich darin und zeigt mir deutlich, dass das keine Faulheit ist, sondern Eines meiner vielen Krankheitsbilder der Depression. Und das versuche ich zu lernen und zu akzeptieren, damit ich an mir arbeiten kann, mit meiner Krankheit zu leben und es später ändern zu können.

Und weiß Gott, ihr glaubt gar nicht, wie schwer das ist. Es ist ein Albtraum!
Ich hatte mich nie so eingeschätzt, dass es so schlimm bei mir ist, obwohl ich von meiner Krankheit wusste.

Was meine Depressionen noch schlimmer machen, ist, dass ich mich nicht nur so leer fühle, sondern das meine Gier - anders kann ich das schon nicht mehr benennen - nach Selbstverletzungen so stark geworden ist. Ich darf nichts Scharfes in meiner greifbaren Nähe haben. Nicht einmal ein Plastik-Lineal. Selbst meine Tischkanten musste ich alle mit Wattepads abkleben, weil ich diese ansonsten dazu benutze, mir blaue Flecken einzuhämmern oder gar irgendwas an mir aufzuschneiden.

Momentan bin ich nur froh, dass ich endlich ein Erstgespräch bei einer Psychologin habe. Zwar erst in Mai aber immerhin. Auch meine Reha scheint langsam Fuß zu fassen. Obwohl ich erst eine Absage erhielt und Widerspruch einlegen musste. Am Montag muss ich deswegen zum Arzt, damit er mir meine neuen Papiere ausfüllt und ich sie zurück senden kann.

Diese Bürokratie ist wirklich anstrengend. Ich meine, ich habe allein für den Antrag und dem Widerspruch zig Dokumente ausgefüllt, denen Zugriff auf meine Krankenakte erlaubt und Bescheide mitgegeben. Aber trotzdem bekomme ich immer wieder Neue, die ausgefüllt werden müssen, obwohl sie genau das Gleiche beinhalten, wie die ganzen Unterlagen davor schon.
Hoffentlich hat das nun allmählich ein Ende.

Etwas, was ich mir Anfang des Jahres erlaubt habe, war der Eintritt als Vereins-Mitglied in einem Fitness-Studio. Dadurch, dass ich durch meine Arbeitslosigkeit fast keine Bewegungen mehr habe, habe ich ziemlich zugenommen. Und das wollte ich ändern.

Nun ja... Anscheinend habe ich da das Geld aus dem Fenster geworfen.
Wie bei meinen alltäglichen Dingen, kann ich mich auch dazu kaum noch aufraffen. Für ein Monat war ich so zwei bis dreimal in der Woche da gewesen. Seit zwei Monaten habe ich mich nicht ein einziges Mal da blicken lassen.

Erst habe ich nach Ausreden gesucht. Das Wetter ist zu kalt oder zu nass. Mir ist es zu voll über den Tag. Ich bin zu spät aufgestanden, um Morgens hinzugehen...
Aber auch hier fasst meine Krankheit wieder Fuss. So dumm das auch klingen mag. Selbst für mich klingt es einfach nach faulen Ausreden. Daher weiß ich nicht wirklich, wie ich damit umgehen soll, wenn es keine Faulheit sein soll.

Nun habe ich mir so einen Heim-Trainer besorgt. Ein Fahrrad.
Ein verdammt teures Teil, was mich geldlich wirklich hat bluten lassen, da ich mir in meiner Situation das nicht leisten sollte.
Nur versuche ich, wenn ich schon immer nach Ausreden suche oder nicht die Motivation für das Fitness-Studio finde, dass ich wenigstens so mich sportlich betätige.

Ob das klappt? Wahrscheinlich nicht wirklich. Ich befürchte, dass ich auch hier das Geld aus dem Fenster geworfen habe.

Trotzdem... Irgendwo muss doch irgendwas klappen, dass ich anfange zu kämpfen. Mich zu motivieren. In mein Alltag zurück finde. Überhaupt mal aktiv werde.
Meine Krankheit darf einfach kein Grund dafür sein, dass ich so bin wie ich bin. Das ich ständig jeden Tag vor mich her weine oder vor mich her starre oder irgendwelche selbstzerstörerische Gedanken hege. Irgendwo muss doch auch etwas normal an mir sein. Und das muss ich einfach finden. Das weiß ich.

Denn momentan hält mich nicht wirklich etwas am Leben. Im Gegenteil. Es ist mir scheiß egal. Ich sehe oft aus dem Fenster und denke mir: "Einfach nur springen und alles hört auf!" - Ich wohne in der fünften Etage und mit etwas Schwung lande ich auf Asphalt.
Momentan klammere ich mich nur an meine beiden Kater. Diese sind der einzige Grund, dass ich noch hier bin.
Und so sollte es nicht sein. Oder nicht?

Ich sollte eigene Motive und Gründe finden, am Leben sein zu wollen. Mich nicht ständig mit dem Tod beschäftigen oder was alles falsch in meinem Leben, oder mit mir, läuft. Mich nicht selbst ständig verletzen, nur des Verletzenswillen.

Es ist einfach nur so unsagbar schwer zu beschreiben, was bei mir abläuft. Selbst wenn ich den ganzen Text hier nachlese, lese ich nur Folgendes heraus:
Faulheit und Ausreden
Und dieses Denken schlägt mich weiter tief hinab.

Ich weiß ehrlich gesagt auch nicht mehr weiter. Es erschöpft mich so extremst, einfach diese paar Zeilen hier zu schreiben. Immer wieder muss ich Pausen einlegen und mich dann weiter dazu aufraffen, hier weiter zu schreiben....
Momentan versuche ich meine "guten Momente" auszunutzen, was Kleinigkeiten angehen. Sei es der Abwasch, Einkaufen gehen oder was weiß ich nicht noch alles. Aber es fällt mir zusehends immer schwerer.

Wann hört das alles nur endlich mal auf? Findet ein Ende?

1 Kommentar 7.4.18 19:42, kommentieren



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